Halbzeit meiner Elternzeit

Seit dem 05.07.2014 bin ich jetzt in Elternzeit, also mittlerweile schon etwas mehr als ein halbes Jahr. Zeit mal ein kleines Resümee zu ziehen.
Vorweg: Es war die beste Entscheidung, ein Jahr Elternzeit zu nehmen, bzw. ich nenne es immer Papazeit. Bei unserer erstgeborenen Maus hatte ich zwei Monate Elternzeit genommen und Mama entsprechend ein Jahr. Nun bei dem zweitgeborenen Mäuschen haben wir getauscht; ich mache ein Jahr Elternzeit und Mama hat zwei Monate gemacht. Diese Entscheidung war hauptsächlich auch der finanziellen Lage geschuldet. Für Interessierte gibt es hier vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend weitergehende Informationen zum Elterngeld.

Mittlerweile bin ich also schon etwas länger als sieben Monate in Papazeit und habe noch gut fünf Monate vor mir. Und ich muss sagen: nur noch fünf Monate.
In dieser Zeit habe ich von zwei befreundeten Vätern und einem kinderlosen Freund die Frage gehört: „Und wie ist das so in Elternzeit? Ist dir schon langweilig? Fällt dir die Decke schon auf den Kopf?“  Ich habe denen dann gesagt, sie sollen doch mal ihre Frauen fragen, die Ihre Kinder in der klassischen Mutterrolle ganztags betreuen und ’nebenbei‘ als Hausfrau arbeiten!
Aber wie sieht mein Tag als Vollzeit-Papa so aus. Hier möchte ich euch einen kleinen Einblick in einen Tagesablauf geben:

06.00 Uhr Aufstehen, etwas Zeit für mich nutzen07.00 Uhr Kinder wecken, Frühstücken/Flasche geben, anziehen/wickeln
08.00 Uhr die große Maus zum Kindergarten bringen
08.30 Uhr Zuhause Ordnung schaffen, das kleine Mäuschen bespielen, Einkaufen, zwischen ein paar eventuellen Schlafphasen des Mäuschen, aufräumen, Wäsche waschen, Wäsche bügeln, Spaziergänge, Arztbesuche
um 12.00 Uhr herum Mittagessen, teilweise selber etwas gekocht und dann auch für das kleine Mäuschen zubereitet, Kind bespielen, weiter aufräumen oder auch mal selber etwas ausruhen
14.30/15.30 Uhr die große Maus aus dem Kindergarten abholen und anschließend beide Kinder bespaßen in der Wohnung oder auch draußen
18.00 Uhr Abendessen, teilweise vorher noch die Kids baden, Sandmännchen gucken, Buch vorlesen
19.00 Uhr Kinder ins Bett bringen, kann sich bis 20.00 Uhr ziehen
20.00 Uhr „Freizeit“, mit der Mama wichtige Dinge besprechen, bügeln, TV & Internet, auf dem Sofa einschlafen
22.00/23.00 Uhr ab in die Heia
zwischen 01.00 und 05.00 Uhr evtl. nochmal Flasche geben

Jetzt glaubt ja nicht, unsere Wohnung wäre wie geleckt sauber und man könnte vom Boden essen. Hauptsächlich bestimmt die kleinste Person den Ablauf des Tages. Denn wenn sie schläft muss man das Zeitfenster nutzen. Und diese Zeitfenster sind sehr flexibel! Und nicht selten kam es auch vor, dass man sich nichts vorgenommen hat, da man sowieso nur einen 30 Minuten Schlaf erwartete und dann wurden es plötzlich doch zwei oder drei Stunden!

Erst einmal muss ich sagen, dass mir die Elternzeit „Papazeit“ total gut gefällt und ich froh bin, diese Chance zu haben. Ein einfaches Beispiel: Konnte ich meine erste Tochter ausgenommen von den zwei Monaten Elternzeit in der Woche nur abends für gut eine Stunde erleben, bin ich jetzt bei der zweiten Maus 24 Stunden dabei. Ich erlebe es live, wie sie anfängt sich fortzubewegen, zu robben, zu krabbeln, zu brabbeln und quietschen. Das alles konnte ich sonst nur am Wochenende oder von Erzählungen der Mama erfahren. Und ganz ehrlich: ich könnte mir sogar Vorstellen hauptberuflich Hausmann zu sein! Ich kann es jedem Vater nur empfehlen bzw. raten: nehmt Elternzeit, wenn es beruflich nicht ein Jahr hinhaut, nehmt wenigstens zwei Monate. Ihr verpasst etwas das ihr nie mehr nachholen könnt! Seit Anfang des Jahres 2015 gibt es auch das erweiterte ElterngeldPlus, mit einer flexibleren Elternzeit.

Nachmittags-Ausflug mit meinen zwei Mädels #Familie #PapaZeit

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Da so eine kleine Maus auch oft raus an die frische Luft soll, habe ich natürlich auch schon einige Spaziergang-Kilometer hinter mir. Es gibt nichts Schöneres als durch Feld und Wiesen der eigenen Heimat zu gehen und in den eigenen Kindheitserinnerungen zu schwelgen. Gut und gerne kommen dabei dann auch schon mal Strecken zwischen sechs und 14 Kilometer zusammen und schon ist der Vormittag verflogen. Meine Spaziergänge nehme ich fast alle mit dem Sports Tracker auf. Ich bin mal gespannt wie viele Kilometer ich am Ende der Papazeit gelaufen bin. Damit mir während der Spaziergänge nicht langweilig wird, bin ich auf das Hören von Podcasts gestoßen. Hierzu werde ich auch noch einen separaten Blogpost verfassen.

Um auch mal unter andere Menschen bzw. Eltern zu kommen, und natürlich auch, dass die kleine Maus Kontakt zu anderen Babys knüpfen kann, habe ich mich zum kostenfreie Programm „Elternstart“ des Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein Westfalen angemeldet. Die hiesige Hedwig-Dornbusch-Schule bietet diesen fünfmal 90-Minütigen Kurs an und ich kann es euch und den Kindern nur empfehlen. Weitere Informationen zum Elternstart NRW bekommst du hier auf der Seite des MFKJKS.
Interessant ist auch, dass ich nun derjenige bin, der Abends mehr zu Hause bleibt, während Mama nochmal rausgeht zum Nähen, Mädels treffen oder Sport machen. Zur ersten Elternzeit, die Mama ein Jahr genommen hat, war sie es, die immer zu Hause hockte. Aber ab und zu schaffe ich es auch doch wieder raus.

Naja und dann gibt es ja noch die, momentan andauernde, Erkältungszeit. Und gerade so Kindergartenkinder schleppen da sicherlich einiges an. Also unser Immunsystem wird derzeit auf eine harte Probe gestellt und hoffentlich doch noch gestärkt. Neben einer einfachen Erkältung, tropfender Nase und bellendem Husten, haben wir vier auch schon an Verdacht auf Lungenentzündung, Mittelohrentzündung, Bronchieninfekt laboriert. Selbst verständlich leider sogar mit Antibiotikum. Der Kindergarten versucht auch seinen Schrecken zu verbreiten:

Leider hat auch hier die Aktivität im Blog etwas nachgelassen, was ich selbst sehr schade finde. Es ist halt schwierig sich nochmal aufzuraffen und die passenden Worte aufzuschreiben, wenn dich zwei kleine aktive Mäuse den ganzen Tag fordern. Dabei habe ich noch so viel im Hinterkopf, was ich hier noch verbloggen werde. Aber demnächst kommen wieder häufiger Beiträge von mir. Und eine große Neuerung steht auch noch bevor…

So, das war er nun, ein kleiner Einblick in die erste Halbzeit meiner Elternzeit, der „Papazeit“. Ich freue mich schon auf die weitere interessante Zeit und werde am Ende wieder darüber berichten.
Wie sieht es bei dir oder euch aus? Hast du oder der Papa auch Elternzeit genommen? Was waren deine Erfahrungen? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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2 Gedanken zu “Halbzeit meiner Elternzeit

  1. Respekt. Dank deiner detaillierten Beschreibung habe ich eine Zeitreise acht Jahre zurück unternommen und bin, ehrlich gesagt, gerade einfach nur froh, dass diese wahnsinnig anstrengende Zeit vorbei ist! Mir ist nämlich durchaus die Decke auf den Kopf gefallen, nicht weil ich Langeweile geschoben hätte – im Gegenteil! – sondern wegen der mangelnden intellektuellen Herausforderung. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich damals den Blog schon gehabt hätte. Ich habe jedenfalls immer meinen Mann beneidet, der morgens die Tür hinter sich zumachen konnte. Unsere Quasi-Elternzeit gemeinsam auf der Reise mit einem 10- und einem 8-Jährigen finde ich wesentlich spannender. 😉 Aber ich finde es absolut bewundernswert, dass du diese Zeit nicht durchlebst, weil du musst, sondern weil du willst. Das ist so großartig.

    Liebe Grüße aus Griechenland,
    Lena

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Lena,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Sicherlich ist es auch einfacher morgens die Tür hinter sich zu schließen und in einen mehr oder weniger geordneten (Büro)Alltag zu gehen, aber Feierabend bleibt dann ja doch nicht Feierabend, je nach Uhrzeit. Ich denke auch egal wann, Elternzeit ist immer spannend!

      Schöne Grüße aus Bielefeld nach Griechenland
      Henrik

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