Als Familie unterwegs mit der Bahn

Es stand nach anderthalb Jahren endlich mal wieder ein Besuch bei der Tante in Berlin an. Aber dieses Mal hatte ich keine Lust auf die gut 400km lange Fahrt mit dem Auto, noch dazu wollten wir über das lange 3. Oktober-Wochenende in die Hauptstadt. Also nahmen wir die Alternative mit der Bahn.

Von meinen vorherigen Reisen mit der Bahn und speziell im ICE wusste ich, dass es spezielle Kleinkinderabteile gibt. Also wurde im Vorfeld der Fahrkarten-Buchung geschaut, auf welchem ICE es noch freie Kleinkindabteile gibt. Das gestaltet sich auf der Webseite der Deutschen Bahn recht einfach. Selbst eine Registrierung bei der Bahn ist dafür nicht notwendig. Sobald man angegeben hat, dass man für Erwachsene und Kinder Fahrkarten bzw. Reservierungen kaufen möchte, wird einem neben Großraumwagen und Abteil auch das spezielle Kleinkindabteil zur Auswahl angeboten. Aber Achtung: Sollte dieses im gewünschten Zug nicht mehr verfügbar sein, werden einem automatisch Plätze im Großraumwagen angeboten.

KKA Buchung Deutsche Bahn

Grafische Übersicht der Sitzplatzreservierung (klicken zum Vergrößern)

Eine Familienreservierung kostet pro Strecke 9,00 Euro, egal ob man ein, zwei oder drei Kinder mitnimmt.
Nachdem unsere Reservierung getätigt war, machte ich mir Gedanken zur logistischen Abwicklung, speziell das besteigen des Zugs. Der geneigte Bahnfahrer, weiß ja sicherlich, dass man mit Kinderwagen schon mal locker den ganzen Wagon zum „verstopfen“ bringen kann. Da wir mit Baby und Kleinkind unterwegs sein würden, fällt normaler Weise einiges an Gepäck an. Kinderwagen, Babybett, Buggy, Koffer, Rucksack etc. Ich hielt es jedoch für besser, das Gepäck so klein wie möglich zu halten. Zum Glück konnten wir vor Ort auf ein ausgeliehenes Babybettchen zurückgreifen und somit hatten wir nur noch den Kinderwagen, samt Buggy-Board, einen mittelgroßen Koffer, einen Rucksack.

Man sollte von vorne herein genügend Zeit bzw. Vorlauf am Bahnsteig einplanen. Das Wichtigste ist, generell bei Sitzplatzreservierungen, sich vorab zu vergewissern, in welchem Waggon man seinen Sitzplatz reserviert hat. Der Wagenstandanzeiger gibt Auskunft welcher Wagon wo am Bahnsteig hält. In den entsprechenden Bereich positioniert man sich und wartet auf die Einfahrt des Zuges.

Wagenstandsanzeiger

Wagenstandanzeiger

An jedem Wagon steht die entsprechende Nummer, nur leider ist dies sehr schlecht erkennbar, aufgrund der spiegelnden Fläche. Ebenfalls kann man hier bei Wagon 24 erkennen, daß es sich um die zweite Klasse handelt, Nichtraucher (sind sowieso alle Wagen), Kleinkindabteil, Platz für Schwangere und Gehbehinderte. Auch die hier nahe gelegenen Sitzplatznummern 51-98 sind erwähnt.
Mein Schlachtplan für das Einsteigemanöver war folgender: Mama nimmt das kleine Mäuschen in die Manduca und die große Maus an die Hand und besteigen zuerst den Wagen. Ich folge ihnen mit dem Kinderwagen, in dem ich meinen Rucksack und Fototasche verstaute, und dem Koffer. Ich hatte noch Glück, bot mir doch ein Mitreisender Hilfe beim verladen des Kinderwagens an, die ich dankend annahm. Schließlich muss man, um in den ICE zu gelangen noch zwei schmaler Stufen erklimmen.

Waggon 24

Wagen 24 Beschriftungen

Im Wagon angekommen erreichten wir nach wenigen Schritten das ersehnte Kleinkindabteil. Außen sichtbar vom Gang her befindet sich auch die Reservierungsanzeige, die weder bei der Hin- noch bei der Rückfahrt korrekt funktionierte, steht dort sonst wie bei allen Plätzen die jeweils reservierte Strecke.

ResAnzeige KKA

Reservierungsanzeige Kleinkindabteil

Das Kleinkindabteil ist mit einer Schiebetür vom Gang getrennt. Es sind zwei Tische mit jeweils vier Plätzen und jeweils einem Platz für Kinderwagen vorhanden. Eine kleine Taschen- sowie Kofferablage befindet sich an den Seiten des Kleinkindabteils an der Wand über den Sitzplätzen. Jede Sitzbank verfügt über eine eigene Steckdose (ob eine Kindersicherung verbaut war, kann ich leider nicht sagen), die Sitzfläche lässt sich in der Länge verschieben, das Abteil hat eine eigene Klima-Steuerung, sowie Schalter zur Lichtregulierung. Sobald die man die Schiebetür geschlossen hat ist es angenehm ruhig im Abteil und man bekommt von der Umgebung nichts mit. Nachdem wir unseren Kinderwagen (Hartan Racer) geparkt hatten, konnte ich sogar noch vom Platz her unseren Koffer daneben stellen.
Der Wagon mit dem Kleinkindabteil befindet sich in direktem Anschluss an das Bordrestaurant, so dass die Wege zum evtl. Essen und Getränke holen nicht zu weit sind. Auch an das Wickeln der Babys/Kleinkinder wurde gedacht. So gibt es ebenfalls im angrenzenden Wagon, eine behindertengerechte Toilette mit herunterklappbarem Wickeltisch. Es ist sogar eine Flasche mit Desinfektionsmittel vorhanden.

KKA1

Kleinkindabteil

KKA2

Kleinkindabteil

Bevor wir die Reise antraten machte ich mich noch auf den Seiten der Deutschen Bahn schlau in Bezug auf Reisen mit Kindern und gelang auf die Seite zum Thema „Services für Kinder an Bord„. Hier wurde ich unter anderem aufmerksam auf die „Kinderfahrkarte„. Also druckte ich entsprechend eine für die große Maus aus, es werden zwei Designs angeboten. Diese Karte kann natürlich auch vom Schaffner abgeknipst/gestempelt werden, so dass jedes Kind stolz seine eigene Fahrkarte hat.

Kinderfahrkarte

Kinderfahrkarte

Geht man mit dem Coupon der Fahrkarte noch zum Nebenangelgenen Bord Bistro erhält man je nach Alter das Reisekritzelbuch samt Buntstiften oder das Magazin für die Größeren namens Leselok. Dabei gibt es noch eine weitere kleine Überraschung, und zwar den kleinen ICE als Spielzeug. Somit ist also schon mal seitens der Bahn für Kurzweile für die kleinen Reisegäste gesorgt. Weiterhin wird noch eine SnackBox angeboten, diese haben wir jedoch aufgrund von Selbstversorgung nicht gekauft. Neben den Broschüren für die Kids, gibt es auch noch u.a. eine Spiele-App „Der kleine ICE“ für Smartphones.

Mit dem Reisekritzelbuch, dem Erlebnis der ersten Bahnreise im ICE für die Mäuse und ein den mitgebrachten Snacks vergingen die zweieinhalb Stunden Fahrt wie im Fluge. In der Hauptstadt angekommen folgte dann das Aussteigeprozedere wie schon beim Einstieg und erreichten somit recht entspannt unser Ziel.

Kind im KKA

Mein Fazit: Wenn wir das nächste Mal wieder nach Berlin reisen, wird es wieder mit der Bahn im Kleinkindabteil sein. Der Zeit- und Komfortvorteil sind auf dieser direkten Strecke ohne Umsteigen einfach unschlagbar.
Nachfolgend habe ich noch ein paar Tipps zusammen gestellt.

Meine 10 Tipps für die Reise mit Kleinkindern in der Bahn:

  1. Vor der eigentlichen Buchung der Fahrkarte schauen, ob ein Kleinkindabteil reservierbar ist!
  2. Selbst wan man mit zwei Erwachsenen und einem Kind unterwegs ist, reserviert für vier Personen, so habt ihr den Tisch für euch alleine.
  3. Schaut euch vor der Reise noch die Service Seite „Reisen mit Kindern“ an.
  4. Beschränkt euch beim Gepäck auf das Nötigste. Ihr müsst erstmal alles auf den Bahnsteig schleppen und könnt nicht immer wieder Sachen vom Bahnsteig in den Wagon holen.
  5. Plant genügend Zeit am Bahnhof ein. Seid mindestens 15 Minuten vorher am Bahnsteig, so dass ihr noch Zeit habt für Punkt 6.
  6. Sucht euren reservierten Wagen auf dem Wagenstandanzeiger auf dem Bahnsteig. Und stellt euch entsprechend im angegebenen Bereich auf.
  7. Sprecht wartende Mitreisende, ob sie euch beim „Verladen“ des Kinderwagens helfen können.
  8. Lasst erst den Großteil der wartenden Gäste einsteigen, so versperrt ihr nicht zu vielen Leuten den Weg im Wagon, wenn ihr den Kinderwagen einparkt.
  9. Solltet ihr eine Umsteige-Verbindung haben, plant mindestens 30 Minuten Umsteigezeit ein.
  10. Ganz ehrlich, das Ein- und Aussteigen kann etwas stressig sein, aber wenn man erst mal im Kleinkindabteil sitzt, kann man entspannen!

Hast du dich auch schon mal auf die Reise mit der Deutschen Bahn und deinen Kindern begeben? Oder planst du es? Ich freue mich, wenn du hier im Kommentar über deine Erfahrungen oder Fragen schreibst.

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6 Gedanken zu “Als Familie unterwegs mit der Bahn

  1. Eine sehr schöne Zusammenfassung, die sich mit meinen Erfahrungen so ziemlich deckt (ich fahre die Strecke nach Berlin allerdings traditionell mit drei Kindern, ohne Partner und daher ohne Kinderwagen – und, da EC, leider auch ohne Kleinkindabteil 😦

    Ich möchte dich jedoch korrigieren, was die Sitzplatz-Reservierung angeht: Die Familien-Reservierung kostet insgesamt 9 Euro, aber wenn du mehr Plätze reservieren willst, als Mitfahrer angegeben sind, schaltet das um und du zahlst wieder 4,50 Euro pro Platz. Man könnte allenfalls ein imaginäres Kind zusätzlich mitnehmen, kostet ja nichts… Tolle Idee, das mache ich nächstes Mal – allein mit fünf Kindern, damit auch das normale Abteil „voll“ wird 😉

    LG
    Jenny

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    • Vielen Dank für deinen Kommentar, Jenny.
      Meine Infos beruhen eigentlich nur zu Angaben zu Fahrten mit dem ICE, selbst beim IC kann es da vom Produkt her schon anders aussehen.
      Wegen der Reservierung: Wenn du die Reservierung unabhängig von der Fahrkarte buchst, kannst du max. 3 Kinder bis 5 Jahre mitnehmen, und es bleibt bei den 9,00 Euro.
      Von wo aus fährst du denn mit dem EC nach Berlin?

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      • Hallo Reisepapa,
        wow, das wusste ich noch nicht – ein echt guter Tipp für Zweikindfamilien! Ich bin aber eigentlich immer ganz froh über Mitfahrer im Abteil, meine großen Kinder haben dann Beschäftigung und quatschen zur Abwechslung mal jemand anderen voll 😉 Bisher haben wir nur gute Erfahrungen so gemacht.

        Wir fahren von Dresden nach Berlin, auf der Strecke gibts nur ECs und die bieten für Familien rein gar nichts, abgesehen vom Preis. Also nicht mal ne Wickelgelegenheit irgendwo im Zug… Und ein Kleinkindabteil kann man zwar reservieren, es ist dann aber de facto ein ganz normales Abteil.

        Gruß
        Jenny (die an dem langen Wochenende übrigens auch in Berlin war!)

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