Eingewöhnungs-Wochen im Kindergarten

Die letzten beiden Wochen ging es nicht nur für unser Mäuschen in den Kindergarten. Auch ich durfte mit dabei sein; während der Eingewöhnungs-Wochen.

Nun stand also vor genau zwei Wochen ein weiterer wichtiger Tag im Leben des Mäuschens bevor. Der Besuch des Kindergarten!
Natürlich schickt man sein Kind nicht einfach so in den Kindergarten, sondern gewöhnt es erst langsam Schritt für Schritt ein. Und dann hört man immer mal wieder etwas vom „Berliner Modell„. Kurz und vereinfachend gesagt, steht es für die schrittweise Eingewöhnung der Kinder in die KiTa bzw. den Alltag. Man fängt also an, nur kurz mit dem Kind für einen „Schnupperbesuch“ in der Einrichtung zu bleiben und verlängert die Aufenthaltsdauer Tag für Tag. Etwas später verlässt man als Elternteil dann auch mal den KiTa-Raum und auch das Gebäude, bis dass sich das Kind an das neue Umfeld gewohnt hat. So viel zur Theorie.
KiGa1Man erwartete von uns eine Eingewöhnungsdauer von ca. drei bis vier Wochen! „Drei bis vier Wochen???“ war unsere unglaubwürdige Nachfrage. Da ja unsere Maus schon ein halbes Jahr lang in eine private Kinderbetreuung ging, stellten wir uns die neue Eingewöhnung recht schnell und einfach vor. Außerdem hatte Mama schon zwei Wochen Urlaub für die Betreuung unserer Maus in den drei Wochen Kindergartenferienzeit (eine Woche machte unsere Dame dann Urlaub bei der Oma) und ich nahm mir nun noch zwei Wochen Urlaub für eben diese Eingewöhnung.
Und diese Eingewöhnung war sehr interessant und auch eine echte Eingewöhnung für mich. Auszugweise einige meiner besonderen Erlebnisse:

  • Wieso machst DU die Eingewöhnung?
    Ich hatte nur den Vorraum des Kindergarten betreten und wurde schon gleich mehrfach von anscheinend irritierten Müttern dasselbe gefragt: „Und wieso machst DU die Eingewöhnung?“ Ja, ich als Vater/Papa/Ehemann übernehme die Eingewöhnungs-Wochen im Kindergarten, liebe Frauen und Mütter! Ist das denn so etwas Besonderes? Diese Fragerei in den darauffolgenden Tagen kam mir schon fast etwas diskriminierend vor. Aber dann dachte ich mir, dass jene Mütter wohl einfach neidisch sind, dass ihr Mann bzw. der Papa diesen Job der Eingewöhnungszeit nicht übernehmen kann oder will. Umso stolzer war ich und bin ich es noch, diese tolle Zeit mit meiner Tochter gemeinsam verbracht zu haben!

  • Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod!
    Ich war keine fünf Minuten im Spielzimmer, da hörte ich folgende Aussage: „Das ist der Nadine* ihr Kasten!“ Innerlich schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen und suchte den Sprachattentäter. Fassungslos stellte ich fest, dass dieser Satz von einer Erzieherin kam. Ich war ganz kurz am überlegen mit meiner Tochter zu flüchten; na gut wir blieben doch. Keiner ist unvehlbar unfehlbar!

    * der Name ist frei erfunden!

  • Mann und Frau/Mama und Papa – zwei unvertraute Geschlechter
    Während die Kinder dann quietsch vergnügt miteinander spielten, versuchte ich in Kontakt mit den anderen Eltern, bzw. Müttern zu kommen. Dass stelte sich jedoch sehr schwierig heraus. Fast jede Kontaktaufnahme meinerseits wurde ignoriert bzw. wenig Kommunikation der anderen Seite entgegen gebracht. Ich vermute mal, dass Problem liegt daran,
    a) dass ich keine Brüste habe,
    b) nicht Stillen kann,
    c) kein Kind ausgetragen habe und
    d) die Schmerzen einer Frau bei der Geburt nicht nachempfinden kann!
    Interessant wurde es dann als später doch mal ein oder zwei weitere Väter auftauchten. Mit denen kann man(n) wenigsten vernünftig reden!

  • 22-jährige ledige kinderlose Erzieherinnen
    Ganz ehrlich, es ist schon ein komisches Gefühl, sein Kind einer Gruppenleiterin anzuvertrauen, die erst 22 Jahre jung ist und noch keine Kinder hat. Sicherlich, die Dame hat bestimmt eine fundierte Ausbildung genossen; ist jedoch in meinen Augen eine reine Theoretikerin. Meine Meinung wurde untermauert, als eben diese Erzieherin einer Kollegin (45 Jahre „alt“, Mutter zweier Kinder) sagte, man wolle sich genau an das Berliner Modell halten. Es ging darum, ob nicht einige Eltern schon frühzeitiger den Raum und die Kinder verlassen könnten, da diese Kinder von der Eingewöhnung schon wesentlich weiter seien. Beim Nachlesen des Berliner Modells, fiel mir auf, dass jedes Kind bei der Eingewöhnung individuell begutachtet werden sollte.
  • Der Nachahmungseffekt
    Bei der bisherigen Kinderbetreuung gab es leider keine feste Frühstückszeit, daher konnten dort die Kinder immer Spielen und nebenbei Essen. Dieses gibt es nun im Kindergarten nicht mehr. Pünktlich um 09.00 Uhr startet die Frühstücksrunde. Dabei setzten sich alle Kinder um einen Tisch herum, die Brotdose vor sich und leiten das gemeinsame Frühstücken Hand in Hand mit den Worten „Piep piep piep, wir haben uns alle lieb! Piep piep piep, wir wünschen Guten Appetit!“ ein. Verständlich, dass dieses Ritual und das Sitzenbleiben beim Frühstücken für unsere Maus fremd war. Dementsprechend war ich auch immer wieder damit beschäftigt die Dame einzufangen und auf ihren Platz zu setzen. „Ach, das gibt sich. Spätestens Ende der Woche bleibt sie auch sitzen!“ waren die Worte der Kindergärtnerin. Ich wurde jedoch eines besseren belehrt. Bereits am nächsten Tag blieb das Mäuschen mit den anderen Kindern am Tisch sitzen und aß friedlich ihr Frühstück. Ich bin mir jedoch sicher, dass ein Nachahmungseffekt auch bei negativen weniger schönen Dingen angewendet wird!
  • Sozialisation
    Gleich am zweiten Tag wurde unser Mäuschen schon von einigen Kindern herzlichst begrüßt und ebenso herzlich und freundlich mit einem „Tschüüüüs“ verabschiedet. Ein schönes Gefühl zu wissen, dass das eigene Kind nun in der Gruppe angekommen und aufgenommen ist!

Nun sind die zwei Wochen schon rum und es hat sich alles eingespielt! Wir beide sind froh, dass es dem Mäuschen im neuen Kindergarten so gut gefällt. Etwas anderes hatten wir auch erhlich gesagt gar nicht erwartet. Teilweise will sie schon gar nicht mehr nach Hause. Und wenn man morgens sagt, dass es wieder in den Kindergarten geht, ruft sie schon lauthals und fröhlich „Jaaaah!“
Der Termin für den ersten „Elternabend“ steht auch schon und ich bin gespannt wie das wird. Nico Lumma hat da schonmal einen „Ratgeber“ verfasst: Die Elternabende an sich – die frühen Jahre.

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