Unterwegs als Statist für einen Flughafen-Probebetrieb

Vielleicht hat es der eine oder andere mitbekommen; neben dem neuen Haupstadtflughafen der irgendwann mal eröffnen soll, wird in Deutschland noch ein weiterer Flughafen komplett neu gebaut. Ich war für einen Tag einer von gut 140 Statisten für den Probebetrieb in Kassel-Calden.

In Kassel-Calden wird ein komplett neuer Flughafen gebaut, gleich neben dem momentan bestehenden Flugplatz. Der alte Flugplatz wird dann nur noch als Start- und Landeplatz für Helikopter fungieren. Und ab dem 04. April 2013 06.00 Uhr morgens geht der neue Flughafen Kassel-Calden in Betrieb. Bis jetzt werden fast nur reine Charter-Touristik-Ziele angeboten: Mallorca, Antalya, Fuerteventura, Teneriffa und Split. Die Diskussionen um dieses „Prestige-Objekt der Steuerzahler“ lasse ich mal außen vor!

Das Terminalgebäude ist mittlerweile schon fertiggestellt und bevor die Anlagen offiziell genutzt werden können, gibt es seit Januar einen Testbetrieb. Zwei Mal in der Woche, dienstags und donnerstags, werden anhand von freiwilligen Statisten verschieden Szenarien vor Ort durchgespielt. Jeder kann sich für diesen Testbetrieb kostenfrei anmelden. Auf der eigens eingerichteten Internetseite wird um Statisten geworben:

Machen Sie mit und lernen Sie den Flughafen schon vor seiner Eröffnung kennen. Bevor der Betrieb offiziell losgehen kann, wird es ab Januar verschiedene Termine für den Testbetrieb geben. Jeweils einen Tag lang (ca. von 8 bis 18 Uhr) werden Statisten verschiedene Situationen aus dem alltäglichen Betrieb des Flughafens nachspielen und die Funktionalität aller Stationen testen. Für Getränke und eine warme Mahlzeit zur Mittagspause ist gesorgt.

Diese Möglichkeit wollte ich mir nicht entgehen lassen, also habe ich mich entsprechend angemeldet. Knapp zwei Wochen vor meinem gewünschten Termin bekam ich die Bestätigung, dass ich mit dabei sei. Es gab vorab schon mal erste Informationen zum Ablauf des Tages.

Letzten Donnerstag machte ich mich dann auf den Weg nach Kassel. Ich sollte mich um 07.30 Uhr am Infopoint einfinden um dann auf das Flughafengelände gebracht zu werden. Pünktlich erreichte ich den Treffpunkt. Hier am Infopoint steht ein kleines Holzgebäude. Im Inneren gibt es allgemeine Informationen, speziell zum historischen Ablauf der Planung und des Flughafens, ebenfalls ist hier auch ein Maßstabgetreues Model des fertigen Flughafens zu besichtigen. Auf dem Dach des Gebäudes führt eine Treppe und man kann von dort aus die Übersicht über das Flughafengelände genießen. Ich hoffe, dass der Infopoint und das Gebäude auch währen des Betriebes bestehen bleibt; bietet er doch eine ideale Spotterposition.

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Nach dem kurzen Transfer auf das Flughafengelände in ein provisorisches Versammlungszelt, musste ich mich anmelden, bekam eine Warnweste und wurde in eine von heutigen zwei Gruppen eingeteilt. Nachdem mehr oder weniger sich alle Statisten eingefunden hatten begann die kurze Präsentation der Flughafens sowie die Einweisung in den Ablauf des heutigen Tages. Heute sollte zum ersten mal die Abfertigung von zwei Flugzeugen parallel stattfinden. Das ganze Szenario wird von einem ORAT-Team der Fraport AG organisiert. Die Abkürzung steht für „Operational Readiness and Transfer“. Die Mitarbeiter stellen verschieden Szenarien zusammen und notieren sich bei der Durchspielung Kritikpunkte um die einzelnen Abläufe zu optimieren. Regelmäßige Reporte und Besprechungen mit der Flughafenführung sollen später nach der Eröffnung einen optimalen Betriebsablauf garantieren.

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Eine Gruppe bereiste das Schengenziel Teneriffa und ich bereiste in der Gruppe das Non-Schengenziel Split. Jeder sollte sich mit einem Kofferwagen und zwei Koffern ausrüsten. Einige Statisten bekamen noch ein Sondergepäck, Übergepäck oder auch einen Kinderwagen mit. Dann ging es zum Check-In. Da die Flughafenmitarbeiter auch alle komplett neu eingearbeitet werden mussten, war dies für jene auch immer wieder eine gute Übung. Einige Statisten erhielten vom ORAT-Team noch Regieanweisungen zu besonderen Fällen, wie z.B. Englisch-sprachiger Gast zu sein, etwas zu schmuggeln oder auch einen Krankheitsfall zu simulieren. In letzterem Fall war dies auch gleich eine Übung für die eigene Flughafenfeuerwehr.

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Nach dem Check-In erhielt man ebenfalls realitätstreu eine Boardingcard und die entsprechenden Abschnitte für sein aufgegebenes Gepäck. Da die komplette EDV noch nicht verbaut war behalf man sich mit der manuellen Erstellung.

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Nach dem Check-In ging es zur Sicherheitskontrolle. Aufgrund interner Bestimmung der Bundespolizei gab es heute keine realen Kontrollen, sondern es wurde zum statistisch errechneten Wert von 50 Sekunden jeweils ein Gast durchgelassen.

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Der Bereich hinter der Sicherheitskontrolle sah noch etwas kahl aus. Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass es noch einen Shop sowie einen Bistrobereich geben wird. Ich musste noch durch die Passkontrolle zu meinem Abflugsteig.

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Vom Abflugsteig hatte man eine erste Übersicht über das Vorfeld. Unsere „Flugzeuge“ in Form von Bussen standen auch schon bereit. Am Flughafen wird es drei Parkpositionen für die Flugzeuge geben. Die Einsteigeprozedur wird komplett zu Fuß abgewickelt, dass bedeutet es gibt keinen direkten Zugang über eine Flugsteigbrücke in den Flieger und auch keinen Bustransfer. Man geht vom Terminal aus komplett zu Fuß zum Flugzeug.

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Auch die Vorfeldmitarbeiter trainierten mit. Das aufgegeben Gepäck wurde auch entsprechend „verladen“, zu sehen an den Kofferwagen neben unserem Flugzeug.

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Als alle Gäste an Bord waren „flogen“ wir los. Der Bus brachte uns wieder zum Zelt wo wir uns bei einem Mittagessen stärken konnten. Nach einiger Zeit stiegen wir wieder in unsere „Flugzeuge“ und nun wurde das Prozedere der ankommenden Gäste am Flughafen durchgespielt.

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Am Terminal wieder angekommen gingen wir zur Gepäckausgabe. Nun gab es etwas Verwirrung, sollte doch jeder wieder seine Koffer wiederfinden, und das nur anhand der Nummern auf seinem Gepäckabschnitt. Meine Gruppe und ich mussten abermals durch die Passkontrolle zur Einreise nach Deutschland, anschließend ging es zum einzigen Gepäckband. Hier tummelten sich die 140 Statisten und versuchten Ihre Koffer wiederzufinden. Ich persönlich finde diesen Bereich jedoch zu klein. Berücksichtigt man das eine typische voll besetzte Charter-Boeing 737-800 gut 189 Gäste fasst und im schlimmsten Fall zwei Flugzeuge mehr oder weniger zeitgleich ankommen würde, so hätte man gut und gerne bei idealer Auslastung gut 380 Reisende in der kleinen Halle rund um das Kofferband stehen.

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Ich erhielt meine beiden aufgegebenen Koffer recht schnell und wurde jedoch beim passieren noch kurz vom Zoll gefilzt. Gut das ich nicht in Kroatien eingekauft hatte! Ich erreichte die Ankunftshalle und konnte mein Gepäck wieder zurückstellen. Somit war der komplette Probeablauf durchgespielt. Einige der Gäste mussten jedoch noch etwas länger auf ihre Gepäckstücke warten, da es ein unbeabsichtigtes Problem mit der Gepäckförderanlage gab. Der Fehler, ein loser Stecker bei einem Antriebsmotor, konnte dann auch gefunden und behoben werden. Somit hatten wir noch etwas Zeit uns noch das Terminal genauer anzuschauen und den ein oder anderen Mitarbeiter und Bundespolizisten zu befragen. Ein Blick in die Ankunfts- und Abflughalle. Hier fehlen im Moment noch die komplette Beschilderung sowie weitere Kleinigkeiten:

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Ich befürchte dieses wird ein Traum bleiben, denn der Flughafen ist für eine Airbus A380 gar nicht ausgelegt:

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Nachdem alle Statisten wieder angekommen waren und Ihr Gepäck zurück gebracht hatten gingen wir wieder in das Zelt. Hier wurden die Westen wieder eingesammelt und nach Kritikpunkten unserseits gefragt und entsprechend notiert. Zum Abschluss gab es dann für jeden noch ein kleines „Geschenk“, eine Tasche mit Kugelschreiber, Taschenwärmer, Weingummi und einer Broschüre über den neuen Flughafen und es wurde noch eine Tombola veranstaltet. Sechs Preise wurden verschenkt, der Hauptgewinn war ein Flug für zwei Personen von Kassel aus nach Mallorca und zurück. – Ich habe mich mit der Tasche begnügt. Früher als gedacht war Probebetrieb schon gegen 15.30 Uhr abgeschlossen. Zu guter Letzt bedankte man sich nochmal herzlich bei uns und wir wurden zum Parkplatz zurückgefahren.

Hier am Infopoint schaute ich mir noch die Ausstellung im Inneren an und überblickte nochmal den Flughafen:

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Natürlich musste ich noch am alten aktiven Flugplatz vorbei schauen.

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Hier findet zurzeit hauptsächlich nur Geschäftsreiseverkehr und Privatfliegerei mit kleinen Propeller- und Turboprop-Flugzeugen statt. In einigen Sommern gab es auch mal eine Charterverbindung nach Mallorca.

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Das Betrachten und Fotografieren von Flugzeugen in unmittelbarer Nähe ohne störenden Zäune und Glasfenster ist hier noch möglich.

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Nach diesem kurzen Abstecher fuhr ich wieder zurück nach Hause.

Alles in allem fand ich dies einen interessanten Tag. Ich konnte somit schon vor der offiziellen Eröffnung den Flughafen besichtigen und bin mal gespannt wie er dann „live“ funktionieren wird. Auch einige interessante Gespräche haben sich vor Ort ergeben und ich habe wieder ein paar Kleinigkeiten dazu gelernt. Der Probebetrieb wird noch bis voraussichtlich Mitte März immer wieder durchgespielt und wer nun Interesse bekommen hat, kann sich ja gerne auf der oben angegebenen Seite anmelden. Wer will kann auch mehrmals teilnehmen; vor Ort habe ich mit Personen gesprochen die schon teilweise zum fünften Mal dabei waren und noch weitere Male kommen werden.

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