BGH entscheidet: Erhebliche Flugzeitenänderung bei Pauschalreisen ist ein Reisemangel

Jeder der gerne pauschal verreist kennt das Problem: Man bucht eine Reise mit angeblich optimalen Flugzeiten und kurz vorher erhält man eine unschöne Flugzeitenänderung. Gerade für Familien ist dies meist sehr ärgerlich.  Nun gibt es in dieser Sache einen für Reisende zum Teil positiven Beschluss vom Bundesgerichtshof.

Zu oft habe ich es schon im Büro erlebt. Kunde X oder Familie Y bucht eine Pauschalreise mit „angenehmen“ Flugzeiten; vormittags der Hinflug und nachmittags der Rückflug. Vor Antritt der Reise, das können einige Wochen aber auch nur wenige Tage sein, erhält der Kunde eine Flugzeitenänderung. Ärgerlich ist dies dann meistens wenn einem der letzte Urlaubstag „geklaut“ wird. Sollte der Abflug um 15.00 Uhr sein, lautet die neue Abflugszeit auf einmal 06.00 Uhr; und der Transfer vom Hotel passiert dementsprechend auch früher. Diese, ich nenne es mal Narrenfreiheit, behält sich jeder Veranstalter in seinen Reisebedingungen vor. Der Kunde musste jegliche Zeitenänderung akzeptieren, oder auf eine mögliche Kulanz seitens der Fluggesellschaft hoffen, auf eventuell einen anderen Flug oder Flugroute gebucht zu werden.

Nun gab es endlich ein entschiedenes BGH-Urteil. Nun ja, so entscheidend wie Urteile mit ihren „Wenn“ und „Aber“ und „Können“ sein können.
Ein Paar hatte 2009(!) eine Reise mit einer geplanten Rückflugzeit 16.40 Uhr gebucht. 24 Stunden vor dem Abflug wurden die Kunden über ihre neue Abflugzeit morgens um 05.15 Uhr mit einem entsprechend Flughafentransfer um 01.25 Uhr ab Hotel informiert. Der Flug wurde um mehr als zehn Stunden vorverlegt und sollte noch zusätzlich als Umsteige-Verbindung durchgeführt werden. Darauf hin hat sich das Paar eigenmächtig einen neuen Flug mit Abflugzeit 14.00 Uhr gebucht. Die Kosten für den Flug wollten die Reisenden bei dem Veranstalter einklagen. Die Klage wurde vom Arbeitsgericht und Landgericht abgewiesen. Über Berufungen ging es schließlich weiter bis zum Bundesgerichtshof.
Dieser hat nun entschieden, dass der Veranstalter unter Umständen zum Schadensersatz verpflichtet ist, da eine extreme Flugzeitenänderung einen Reisemangel darstellen kann! Für einen Schadenseratzanspruch muss jedoch gegenüber dem Reiseveranstalter eine Abhilfefrist gesetzt werden, bevor man selber aktiv werden darf.

Alles klar? Nicht wirklich, oder?!
Denn dieses Urteil kann – unter Umständen angewendet werden! Ich persönlich finde, dass dies ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist. Wenn man den Zeitraum jedoch betrachtet in der dieses Verfahren stattfand (2009 Vorfall – 2012 BGH Entscheid) vergeht einem doch gleich wieder die Lust, sich darum zu streiten. Es bleibt also nur zu hoffen, dass in der Zukunft die Reisebedingungen für Pauschalreisen in positiver Weise abgeändert werden.

Das offizielle BGH Urteil: http://www.bundesgerichtshof.de/DE/Presse/Terminhinweise/terminhinweise_node.html
Artikel bei airliners.de: http://www.airliners.de/rahmenbedingungen/recht/erhebliche-vorverlegung-eines-fluges-ist-reisemangel-/26911

Hattest du schon einmal Probleme mit einer Flugzeitenänderung?

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